Autor
Wessela Krastewa
Artikel
Samstag 4 April 2026 12:10
Samstag, 4 April 2026, 12:10
FOTO Bulgarische Sonntagsschule Rodoljubie, Neapel
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Eines der bulgarischen geistigen Zentren im Herzen Süditaliens ist die 2017 gegründete bulgarische Sonntagsschule Rodoljubie (zu Dt. Heimatliebe) in Neapel. Den Grundstein legten eine Handvoll Bulgaren mit gerade einmal zehn Kindern, erzählt die Leiterin des Bildungszentrums, Walentina Nikolowa in einem Interview für Radio Bulgarien.
„Die ersten Schritte waren sehr bescheiden. In den gemütlichen Räumen einer russischen Kirche in Neapel lehrten wir die ersten Buchstaben des bulgarischen Alphabets. Inzwischen ist die Sonntagsschule Rodoljubie gewachsen und aufgeblüht. Unsere Klassenzimmer sind lichtdurchflutet und geräumig. Seit 2020 ist die Schule offiziell vom bulgarischen Ministerium für Bildung und Wissenschaft anerkannt“, sagt Nikolowa voller Stolz.
2023 hat Rodoljubie im malerischen Dorf Sant’Antonio Abateeine Zweigstelle eröffnet. In diesem Schuljahr werden an der Schule insgesamt 90 Schüler im Alter von sechs bis achtzehn Jahren in neun gemischten Klassen unterrichtet.
In Neapel und Umgebung leben rund 4.000 Bulgaren. Nikolowa sieht die bulgarische Gemeinschaft durch die Augen der Kinder.
FOTO Bulgarische Sonntagsschule Rodoljubie, Neapel
„Sie sind ein Spiegelbild ihrer Eltern, sagt die Schulleiterin.„Ein Großteil der Bulgaren will, dass ihre Kinder in die italienische Gesellschaft gut integriert sind. Gleichzeitig ist auch ein starkes emotionales Bedürfnis zu verspüren, dass auch das Heimatland nicht zu kurz kommt.“
Walentina Nikolowa lebt seit mehr als 19 Jahren in Italien und hat sich in all dieser Zeit davon überzeugen können, dass die Liebe zu Bulgarien fernab der Heimat viel stärker ist. Sie gibt zu, dass sie alles an Bulgarien vermisst. „Es ist eine Sehnsucht, die aus Liebe entsteht und man kann Kindern, die in einem anderen Land geboren und aufgewachsen sind, für die die bulgarische Sprache nicht immer die Muttersprache ist, nicht immer diese Heimatliebe vermitteln.“
FOTO Bulgarische Sonntagsschule Rodoljubie, Neapel
„Die bulgarische Sprache wird an unserer Schule als zweite Muttersprache unterrichtet, und ich kann sagen, dass es eine enorme Herausforderung ist, Kinder in einem fremdsprachigen Umfeld zu unterrichten. Wir vermitteln nicht nur Grammatikregeln, sondern bauen eine beständige nationale Identität auf. Für mich ist das eine Mission, die enorme Geduld und sehr viel Liebe zu den Kindern, zu unserer Sprache und zu unserem Heimatland erfordert. Aus beruflicher Sicht kann ich sagen, dass die Arbeit in der Sonntagsschule eine besondere Form der pädagogischen Aufklärungsarbeit ist, denn wir kämpfen um die Aufmerksamkeit der Kinder an ihren freien Tagen und müssen äußerst kreativ sein.“
FOTO Bulgarische Sonntagsschule Rodoljubie, Neapel
In den letzten zwei Jahren unterstützt auch das nationale Programm
„Bulgarien – Bildungsrouten“ des Ministeriums für Bildung und Wissenschaft die
bulgarischen Lehrkräfte im Ausland. Die Sonntagsschule Rodoljubie hat sich im vergangenen Jahr mit dem Projekt „Die nördliche
Schwarzmeerküste – Natur, Geschichte und Kultur“ beworben.
Das Projekt wurde genehmigt, und so konnte das „Bulgarien“-Abenteuer für die Kinder vom 11. bis 14. August 2025 stattfinden. Neben der Gruppe von 20
Schülern sind auch 14 Eltern auf eigene Kosten mitgereist. Am Ende des Projekts wurde
ein Video zusammengestellt mit allen Naturschönheiten und Sehenswürdigkeiten,
die die Kinder beeindruckt haben.
„Die interessanteste Sehenswürdigkeit war für mich das Naturschutzgebiet Baltata, wo alles grün war und es viele geschützte Vögel, Säugetiere, Fische und Pflanzen gibt“, erzählt Adriana Tramontana, Schülerin der 4. Klasse, voller Begeisterung von ihrer Reise durch Bulgarien. „Es hat großen Spaß gemacht, als wir gemeinsam vom linken zum rechten Ufer des Flusses Batowa gehüpft sind. Mein Lieblingsmoment war, als wir an den Strand in Albena mit den großen Wellen gekämpft haben.“
Die Gruppe hat Baltchik und seinen Botanischen Garten mit dem Palast der rumänischen Königin Maria, das Kap Kaliakra, das Felsenkloster Aladscha, die Gegend um Teketo und eine authentische Töpferwerkstatt besucht.
FOTO Bulgarische Sonntagsschule Rodoljubie, Neapel
FOTO Bulgarische Sonntagsschule Rodoljubie, Neapel
„Die interessanteste Sehenswürdigkeit waren für mich die wunderschönen grünen Gärten von Baltchik“, erzählt Raliza Dimowa von der 7. Klasse. „Ich habe mich überzeugen können, dass es in Bulgarien viele verschiedene schöne Orte gibt. Mein liebster Moment war, als wir gemeinsam am Meer entlanggelaufen sind“.
„Alle Sehenswürdigkeiten haben bei unseren Schülern unvergessliche Eindrücke hinterlassen, doch eines der aufregendsten Erlebnisse für sie war der Besuch einer authentischen Töpferwerkstatt in Baltchik. Auch das Aladscha-Kloster hat sie sehr beeindruckt, da sie zum ersten Mal ein solches Felsenkloster gesehen haben. Die größte Begeisterung löste natürlich die Begegnung mit dem Schwarzen Meer aus“, erinnert sich die Direktorin der Sonntagsschule in Neapel. Sie selbst gibt zu, dass sie durch diese Reise Bulgarien auf eine interessante und ungewöhnliche Weise neu entdeckt hat – durch die Augen der Kinder.
FOTO Bulgarische Sonntagsschule Rodoljubie, Neapel
Für Andrei Dimow aus der 3. Klasse gehören das Keramikmuseum, die Pflanzen im Botanischen Garten in Baltschik und das Kap Kaliakra zu den schönsten Erlebnissen. „Ich habe festgestellt, dass Bulgarien schöner ist, als ich erwartet hatte, und viele interessante Sehenswürdigkeiten zu bieten hat.“
FOTO Bulgarische Sonntagsschule Rodoljubie, Neapel
„Diese Reise war für die Kinder ein spannender Prozess der Selbstfindung“, fügt Walentina Nikolowa hinzu. „Da die meisten von ihnen in Italien geboren oder aufgewachsen sind, nehmen sie Bulgarien wie ein Märchen wahr, wie eine ferne Welt, von der sie in der Schule oder zu Hause hören. Aber als sie bulgarischen Boden betraten, wurde dies zu einer tiefen und persönlichen Begegnung mit ihren Wurzeln.“
Weitere Ausgaben von „Bulgarien-Unterricht“:
· „Bulgarien-Unterricht“: mit bulgarischen Kindern von Larnaka bis zu den Rhodopen
· „Bulgarien-Unterricht“: Wissen als Stärke für Kinder in Skopje
· „Bulgarien-Unterricht“…mit Schülern der Schule „Christo Botew“ in Bratislava
· „Bulgarien-Unterricht“… mit der Bulgarischen Sonntagsschule „Abagar“ in Italien
Übersetzung: Georgetta Janewa
Gestaltet von Georgetta Janewa